Wenn wir auf die Welt kommen, beginnt für jeden Menschen (s)ein neues Leben. Und damit einhergehend beginnt etwas, das uns von da an jeden Tag begleitet: LERNEN.

Lernen ist etwas wunderbares. Neues Wissen erlangen, sich neue Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen, zu forschen und auszuprobieren, dabei Erfahrungen sammeln und auch die eine oder andere Niederlage einstecken, Fehler machen – alles das sind Aspekte von Lernen. Wenn ein kleines Kind auf die Welt kommt, dann tut es dies mit Begeisterung. Es stört sich nicht daran, dass es auch nach dem 35. Versuch auf den eigenen Füßchen zu stehen, ein 36.-mal umfällt, sondern probiert weiter und weiter – so lange, bis es endlich klappt. Und dann – gleich im nächsten Moment, wenn die Freude über das Stehenbleiben aus seinem kleinen Babygesicht noch strahlt, beginnt es gleich schon das nächste Ziel anzuvisieren, denn stehen allein reicht ihm nicht: es möchte laufen lernen. Und so erobert es sich seine Mobilität in kleinen Schritten, mit vielen, vielen Fehltritten. Und dann wird das kleine Kind größer – und eines Tages kommt es in die Schule.

Die Umkehr der Kritikpyramide – oder: warum Kinder ihren Spaß am Lernen verlieren

Mit dem Eintritt in die Schule passiert etwas im Leben unserer Kinder, auf das bereitet sie niemand vor. Bis zum Übergang an die Schule sind unsere Kinder es gewohnt, dass sie trotz aller Fehler, bei jedem missglücktem Versuch und in Momenten des zu-Tode-betrübten-Weinens was von ihren Eltern, Tanten, Onkeln, Großeltern, Erziehern usw. bekommen? – Ja genau: Beifall, Ansporn, Anfeuerungsrufe, Motivationsschübe etc. Kein Erwachsener sagt zum Kind, das gerade laufen lernt und nun schon 87 mal über seine kleinen Füße gestolpert ist: Mensch Franz, lass das mal mit dem Laufen – ich glaub, das ist nicht so deins, da bist du einfach doch zu dämlich zu. Und im Kindergarten dann, wenn unsere Kinder uns ihre ersten Kunstwerke stolz präsentieren, reagieren wir nicht, in dem wir sagen, dass ein Picasso aus ihnen wohl voraussichtlich nicht werden wird. Nein, wir loben, wir klatschen Beifall, wir jubeln unseren Kindern zu und finden einfach alles toll, was sie machen. Was tun wir hingegen nicht? – Kritisieren. Kein Kind wird kritisiert, wenn es zu laufen beginnt oder die ersten Buntstifte in die Hand nimmt.

Nun kommt unser Kind in die Schule – und an diesem Tag dreht die Kritikpyramide sich um. Plötzlich stellt der Anfänger im Rechnen, Lesen und Schreiben fest, dass er für das Fehlermachen „bestraft“ wird. Da gibt es schlechte Noten in der Schule, Zusatzaufgaben zum üben für zu Hause, zu Hause schimpfen Mama und Papa und der Opa schüttelt nur noch den Kopf, wenn das Gespräch auf die Leistungen in der Schule zu sprechen kommt. Wie hast du reagiert, als dein Sohn das letzte Mal mit einer Sechs im Mathetest nach Hause gekommen ist oder als es im Aufsatz deiner Tochter in Deutsch „wieder nur“ für eine 4- gereicht hat? Und was macht das wohl mit der Lernmotivation deines Kindes? Bisher sind es unsere Kinder es gewohnt gewesen, dass Fehler bejubelt wurden, dass nicht so rund gelungene Anläufe trotzdem Applaus bekamen und dass Mama und Papa sowieso immer alles super fanden, egal wie es aussah oder wieviele Versuche bis zum Gelingen notwendig waren. Und nun ist plötzlich alles anders.

Kritikpyramide bei kleinen Kindern: Kritik kommt nicht vor.
ab der Grundschule: mit zunehmender Professionalisierung von Kenntnissen & Fähigkeiten nimmt die Kritikhäufigkeit ab; wer bekommt die meiste Kritik?

Aus Lernlust wird Lernfrust. Der Druck steigt, denn die erste schlechte Note wird vielleicht noch belächelt als Erfahrung, die eben alle einmal machen müssen. Kurz vor dem nächsten Test aber fragen wir doch schon einmal mehr nach, ob denn auch wirklich ausreichend geübt worden ist… wenn nun auch beim nächsten Mal das gewünschte Ergebnis nicht eintritt und beim übernächsten Mal auch wieder nicht, dann schwindet die uns allen angeborene Lernfreude und erlischt. Misserfolge führen nicht zur Motivationserhöhung und ganz schnell schleichen sich Gedanken á la „ich kann das nicht!“ oder „ich bin eben einfach viel zu blöd dafür!“ in die Köpfe unserer Kinder. Dort einmal angekommen, wachsen sie sich aus, werden größer und mächtiger und suchen im Außen nach immer neuen Beweisen dafür, dass es auch wirklich so ist – die sind schnell gefunden. Und schon ist er da, der hemmende Glaubenssatz.

An Lernfreude ist nun schon kaum noch zu denken. Das Lernen empfindet dein Kind an diesem Punkt längst nicht mehr als Akt der Freude, sondern als mühsamen und unbefriedigenden Ballast, als eine Pflicht, die irgendwie hinter sich gebracht werden muss, damit anschließend Zeit ist für Freunde und Hobbies.

Lerncoaching? Was ist das denn?

Zunächst einmal: Lerncoaching ist keine Nachhilfe. Die möglicherweise bestehenden inhaltlichen Lücken in einzelnen Fächern wird Lerncoaching allein nicht schließen. Lerncoaching ist auch keine Lerntherapie. Denn die meisten Kinder, denen Lernen schwer fällt, weil ihnen ihre natürliche ur-kindliche Lernfreude abhanden gekommen ist, sind keine „diagnostischen Fälle“ für einen Lerntherapeuten. Lerntherapie hilft Kindern mit einer Dyskalulie oder mit Legasthenie und auch Kinder mit schweren Aufmerksamkeitsdefiziten finden beim Lerntherapeuten Hilfe und wichtige Unterstützung.
Lerncoaching ist – und das hat es mit der Lerntherapie und der Nachhilfe gemeinsam – individuell. So, wie wir alle zwar Menschen, aber individuell verschieden sind, so setzt auch Lerncoaching individuell bei jedem Schüler genau dort an, wo die Hütte gerade tatsächlich brennt. Und das können ganz unterschiedliche Brandherde sein:

  • Motivation: Warum soll ich lernen? Warum soll ich DAS lernen? Wie bleibe ich am Ball – auch über einen längeren Zeitraum? Was sind überhaupt meine Ziele; was möchte ich erreichen?
  • (Arbeits-)Organisation: Wie strukturiere ich meinen Arbeitsplatz? Wo erledige ich meine Hausaufgaben? Wie sortiere ich meine Aufgaben, To-do-Listen und wie plane ich Pausen und Freizeit? Wie packe ich meine Schultasche und plane meine Schultage und das Wochenende?
  • Konzentration: Wie schaffe ich es, mich auf meine Aufgaben zu konzentrieren? Warum lasse ich mich so schnell ablenken und was kann ich tun, damit sich das ändert?
  • Lernblockaden: hemmende Glaubenssätze erkennen und auflösen
  • Lernstrategien: Wie schaffe ich es, den Lernstoff in kürzerer Zeit zu lernen? Was kann ich tun, um meine Notizen übersichtlicher zu halten und Mitschriften gehirngerecht anzufertigen? Welcher Lerntyp bin ich und was bedeutet das für mein individuelles Lernen?

Beim Lerncoaching geht es also überhaupt gar nicht darum, WAS ein Schüler lernen möchte. Vielmehr geht es um das WIE des Lernens. Dabei sind aus meiner Sicht folgende Aspekte besonders wichtig:

  • Lernstoffunabhängigkeit
  • zeitliche Begrenzung: anders als bei der Nachhilfe, die häufig während des ganzen Schuljahres – oder auch über mehrere Schuljahre hinweg besucht wird – ist Lerncoaching ein zeitlich begrenzter Prozess, bei dem der Schüler selbst bestimmt, ob überhaupt, wann und wie oft er stattfinden soll. Selten werden mehr als 10 Termine benötigt.
  • Ziel- und Lösungsorientiertes Arbeiten
  • Ressourcenorientiertheit
  • systemisch-ganzheitliche Arbeit: mit dem Schüler kommt ja nicht nur das Kind, es kommen auch die Eltern, Lehrer, vielleicht Mitschüler oder der Fussballtrainer – beim Lerncoaching geht es auch darum zu schauen, wo Ursachen liegen und was möglicherweise getan werden kann, um diese aus dem Weg zu räumen oder zu verändern. Die Beziehungen des Kindes sind immer ein Teil von ihm und werden beim Lerncoaching ebenfalls beleuchtet.

Und was bringt mir das?

Durch Lerncoaching kannst du erreichen, dass das Lernen dir oder deinem Kind wieder leicht(er) gelingt. Im Familienalltag bringt es euch pure Erleichterung, weil die Gespräche beim Abendbrot nicht mehr von schlechte-Noten-Diskussionen bestimmt werden und ihr auch wieder mehr Zeit als Familie (gemeinsam) genießen könnt. Dein Kind hat endlich Zeit für sein Freunde und Hobbies. Dies wird sich schlußendlich auch auf seine schulische Motivation positiv auswirken.

Gute Schüler können vom Lerncoaching profitieren, weil sie ihre Lernerfolge mit weniger Zeitaufwand erreichen; weniger leistungsstarke Schüler erreichen nicht nur besser Noten, sondern erleben endlich auch wieder, dass sie in der Lage sind, Ziele zu erreichen. Ihre Selbstwirksamkeit steigt und damit auch ihr Selbstvertrauen. Dies führt zusätzlich zu einer Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls und zu deutlich mehr Widerstandsfähigkeit. So werden Rückschläge und Fehler viel entspannter angenommen.
Durch kleine Stellschrauben, wie zum Beispiel das Wissen um das dominante Auge oder durch regelmäßige kurze Bewegungspausen, können Leistungssteigerungen um 30% oder mehr erreicht werden, ohne auch nur eine einzige Lernmethode angewandt oder irgendetwas sonst verändert zu haben. Wieviel mehr kann wohl möglich und erreichbar sein, wenn ihr an anderen Teilbereichen auch ein bisschen arbeitet?

Und dir als Mama oder Papa kann Lerncoaching ebenfalls Unterstützung und Erleichterung verschaffen. Zu wissen,

  • wie dein Kind „tickt“,
  • wie das Lernen anders organisiert werden kann oder
  • auf welche Weise du zum Beispiel mit einer nicht dem gesetzten Ziel übereinstimmenden Note so umgehen kannst, so dass die Lernmotivation deines Kindes dennoch erhalten bleibt,
  • wie du die Hausaufgabensituation zu Hause entspannt begleiten und unterstützen kannst,

all das führt zu weniger Diskussionen und trägt insgesamt zu einem harmonischeren Familienleben bei.

Du willst mehr wissen? Über die Frage, was Lerncoaching eigentlich ist, sprach ich vor einiger Zeit auch mit meiner sehr geschätzten Kollegin Alexandra Lux. Zum Video gelangst du hier.

Das war cool? Dann lies mal DAS hier:

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