Heute morgen begrüßte mich mein eMail-Postfach mit einem Newsletter von Christian Bischoff, einem großartigen Speaker, der mit seinen Seminaren und Online-Kursen zu Persönlichkeitsentwicklung und Motivation viele, viele Menschen erreicht und beim Realisieren ihrer Wünsche und Ziele unterstützt. In seinem Podcast und seinem Online-Magazin teilt er sein Wissen und gibt auch dir Impulse und Ideen auf den Weg, wenn du dein Leben verändern möchtest. In eben diesem Online-Magazin ist heute ein neuer Beitrag erschienen, in dem es um das Fassen und Umsetzen von Zielen geht. Da bereits in der eMail die Methoden WOOP und SMART aufgegriffen wurden, klickte ich interessiert auf den Beitrag. Schon viele Jahre nutze ich die WOOP-Methode, um in meinen Lerncoachings oder auch in Pädagogenschulungen und Elterntrainings Ziele-setzen-und-erreichen zu thematisieren. Und so interessierte mich ehrlich, wie Christian Bischoff diese Methode erklärt, wie er sie einschätzt und welchen Mehrwert er damit verbindet. Was ich dann las, war Anlass genug, mich an meinen PC zu setzen und diesen Beitrag zu formulieren – um dir diese Methode in aller Vollständigkeit und Gänze vorzustellen.

Das erfährst du in diesem Beitrag:

Was ist Motivation?

Um ein Ziel zu erreichen, ist es zunächst erforderlich, etwas als solches für dich auszumachen. Denn während du möglicherweise davon träumst, deinen nächsten Urlaub meditierend auf Bali zu verbringen, kann das für deinen Nachbarn oder deinen besten Freund etwas sein, dass ihn weder reizt noch irgendein Bedürfnis in ihm weckt. Damit du motiviert bist, etwas für dich erreichen zu wollen, braucht es ein Streben nach Wünschen oder wünschenswerten Zielobjekten in Verbindung mit einer kognitiven oder emotionalen Aktivierung. Je emotionaler ein Ziel für dich ist, um so größer wird auch deine Motivation, dieses erreichen zu wollen.

Ein Beispiel: schreib doch einmal kurz auf, welche Kaufentscheidung du zuletzt getroffen hast. Was war es? Das neue Paar Schuhe, das dich durch die Schaufenster hindurch gerufen hat? Oder vielleicht die neue Hose, die nun endlich passt und daher sein durfte?

Und nun geh doch bitte noch einen Schritt weiter: schreib einmal alle Gründe auf, die FÜR deine Kaufentscheidung gesprochen haben!

Um dann im nächsten Schritt bitte alle Gründe aufzuschreiben, die DAGEGEN sprachen.

Was fällt dir auf, wenn du deine Dafür- und Dagegen-Gründe miteinander vergleichst? Wahrscheinlich sind die Gründe, die für die Entscheidung zum Kauf gesprochen haben überwiegend emotional, während deine Dagegen-Gründe vermutlich vorrangig sachbezogen gewesen sind, kognitiver Natur also. Und genauso funktioniert auch Motivation. Je mehr dir ein Ziel am Herzen liegt, um so mehr steigert sich der Wunsch, dieses auch tatsächlich erreichen zu wollen.

In vielen Motivationsprogrammen wird dir suggeriert, dass die Wahrscheinlichkeit deiner Zielerreichung allein durch positives Denken gesteigert wird. Je mehr du dir vorstellst, wie es sich anfühlen wird, ein Ziel tatsächlich erreicht zu haben, um so eher erreichst du dieses auch. Wissenschaftliche Studien haben aber gezeigt, dass positives Denken allein längst nicht so gut wirkt, wie es uns oft gesagt wird. Das alleinige Träumen über eine positive Zukunft

  • entzieht der Zielerreichung die notwendige Energie,
  • schränkt das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung des Träumenden ein und
  • sagt geringe physische und mentale Gesundheit vorher.

Was heißt das denn bitte genau? Stell dir doch nun einmal vor, wie es sein wird, meditierend auf Bali deinen Traumurlaub zu verbringen. Fühl dich in dein Ziel ganz konkret hinein. Spüre, wie dir die leichte Meeresluft um die Nase weht, fühle den warmen Sand unter deinen Füssen, höre die Mönche beim meditieren singen und schmecke die salzige Luft auf deinen Lippen. Kannst du sehen, wie die Palmen im Wind wehen und wie die leichten Wellen sich im Strand verlaufen? Tauche ein, so intensiv wie es geht, in dieses Gefühl, das du haben wirst, wenn du deine Zeit auf Bali verbringst…. wenn du das für eine Weile gemacht hast, also vielleicht 10 Minuten oder länger in dieses gute Gefühl eingetaucht bist, so dass sich dein ganzer Körper, dein Gehirn, einfach jede Zelle deines Körpers entspannt und diese Zukunft auf Bali gespürt, gesehen und wie bereits dort erlebt hat … sollst du dich nun aufraffen und die Dinge tun, die für die Zielerreichung notwendig sind. Da dein ganzer Körper und dein Geist aber gerade völlig entspannt waren, fällt es dir schwer, tatsächlich anzufangen und ins Tun zu kommen. Die Sehnsucht nach diesem positiven Gefühl ist groß, doch du hast es ja gerade bereits empfunden und dich nun aufzuraffen, fällt dir schwer. Es fehlt dir erst einmal an der Energie, die es bräuchte, um anzufangen.

„Die Lösung ist nicht, das Träumen und positive Denken aufzugeben. Vielmehr können wir unsere Fantasien am besten nutzen, indem wir ihnen das entgegenstellen, was die meisten von uns zu ignorieren oder zu vernachlässigen gewohnt sind: die Hindernisse, die uns im Wege stehen.“ [Gabriele Oettingen, Die Psychologie des Gelingens]

Um deine Ziele zu erreichen, solltest du das Träumen über deine positive Zukunft um zwei wichtige Schritte ergänzen:

WOOP!

Schritt 1: Wish = formuliere dein Ziel

Im ersten Schritt formulierst du dein Ziel. Am besten auf eine Weise, als ob du es bereits erreicht hast. Sei dabei so konkret wie möglich – in jedweder Hinsicht. Was möchtest du erreichen? Was genau ist dein konkretes Ziel?

Schritt 2: Outcome = was wird das bestmögliche Ergebnis sein / wie wird deine gute Zukunft aussehen?

In diesem Schritt geht es um das Träumen, das Hineinfühlen in den Moment der Zielerreichung. Wie wird das bestmögliche Ergebnis aussehen? Wie wirst du dich fühlen? Wer ist dabei, wenn du dein Ziel erreicht hast? Was wirst du sehen, riechen, schmecken? Vielleicht stellst du dir das Prickeln des Champagners auf deinen Lippen vor, fühlst den Schlüssel in deiner Hand, während du zum ersten Mal die Tür deines neuen Hauses aufschließt oder hörst das fröhliche Kinderlachen, während ihr gemeinsam das neue Baumhaus erklimmt? Was auch immer dein konkretes Ziel ist – hier an dieser Stelle, sollst du dir den Moment, in dem du dort angekommen bist mit allen Sinnen vorstellen.

Schritt 3: Obstacle = Welche persönlichen (inneren) Hindernisse können auftreten / was hält mich ab?

Nun geht es darum, zu schauen, welche Hindernisse sich dir auf dem Weg hin zu deinem Ziel in den Weg stellen können. Denn mal ganz ehrlich: wie oft ist es dir schon passiert, dass du dir etwas vorgenommen hast und dann traten Umstände, Bedingungen oder Ablenkungen um dich herum ein, mit denen du einfach so nicht gerechnet hast. Du warst nicht (optimal) darauf vorbereitet. Meine Oma hat immer gesagt: Leben ist das, was passiert, nachdem wir Pläne gemacht haben. Und genauso verhält es sich doch oft auch mit unseren Zielen. Anfangs sind wir motiviert und voller Tatendrang. Doch mit jedem unvorhergesehenem Ereignis, das Energie kostet und Kraft raubt, sinkt die Motivation ein kleines bisschen – und am Ende verabschieder wir uns von dem einen oder anderen Ziel, weil es zum Durchhalten und Dranbleiben einfach doch nicht gereicht hat.

Und genau hier macht WOOP einen entscheidenden Unterschied. In diesem dritten Schritt setzt du duch mit dem Weg hin zu deinem Ziel auseinander und überlegst, was alles passieren kann, um dich von deinem Weg abzubringen. Welche Ereignisse bremsen dich nöglicherweise aus oder welche inneren Blockaden, versteckten Überzeugungen oder Erfahrungen aus deiner Vergangenheit könnten dazu führen, dass du am Ende von deinem Ziel ablässt und es dann eben doch (wieder) nicht erreichst?

An dieser Stelle solltest du dir unbedingt ausreichend Zeit nehmen und die möglichen Hindernisse ruhig durchdenken, sie vor deinem inneren Auge auftauchen lassen und mit allen Sinnen konkret erspüren und erfühlen.

Schritt 4: Plan = wie kann ich es schaffen?

Im letzten Schritt darfst du dich noch einmal mit all den Hindernissen, die du so eben ausgemacht hast, beschäftigen und dir mögliche Lösungen überlegen. Du schreibst „Wenn … dann …“-Pläne, überlegst also, was genau du tun wirst, wenn das Hindernis auftaucht. Jeden deiner Wenn-Dann-Pläne stellst du dir anschließend vor, fühlst dich hinein und spürst, ob die Lösung, die du dir überlegt hast, tatsächlich gut passen wird. Möglicherweise wirst du danach deine Ideen noch ergänzen oder erweitern. Auf jeden Fall durchläufst du so alle sich dir eventuell in den Weg stellenden Hindernisse UND die Lösungen, mit denen du erreichen wirst, dass sie dich nicht von deinem Ziel abbringen werden, mental.

Der Vorteil von diesem letzten Schritt liegt klar auf der Hand: tritt eines der zuvor genannten Hindernisse tatsächlich ein, so wirft dich das nicht aus der Bahn. Du hast deine Lösung ja sofort parat und kannst also direkt weiter machen und dran bleiben. Der Ablenkungsfaktor greift gar nicht erst und auch deine Energie wird nicht durch zusätzliche Überlegungen abgezapft. Alles, was du dir ausgemalt hast und von dir bereits einmal durchlebt worden ist, kann nun ganz entspannt abgerufen werden. Du bleibst trotzdem bei dir, bist weiter fokussiert und hast nur eine weitere Bestätigung bekommen, dass du absolut auf dem besten Weg bist, auch tatsächlich an dein Ziel zu kommen.

Fazit

WOOP verbindet den Wunsch, das Ergebnis, das Hindernis und den Plan in unserem Kopf, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Dies führt zu messbar mehr Energie und besserer Leistung in der Umsetzung unserer Ziele. Die WOOP-Methode ist gleichermaßen für kleine Ziele und große Lebensträume geeignet.

In meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen setze ich diese Methode bereits bei Kindern ab 8 Jahren ein – erst Recht, wenn ich mit Erwachsenen arbeite und natürlich für jedes Ziel, dass ich persönlich mir stecke.

Pro-Tipp: Visualisiere dir alle 4 Schritte!

Um die Zielerreichungs-Wahrscheinlichkeit noch weiter zu erhöhen, empfehle ich den Teilnehmern meiner Workshops oder meinen Coachees immer, sich diese 4 Schritte zusätzlich zu visualisieren. Das geht in Form von kleinen Bildern; aber auch das reine Aufschreiben der 4 Schritte bewirkt bereits eine zusätzliche Verstärkung der Methode. Visualisierungen machen Informationen für dein Gehirn noch merk-WÜRDIGER, zudem macht es Spaß und alles, was wir unserem Gehirn in Bildern und mit vielen bunten Farben anbieten, bereitet ihm Freude, erzeugt positive Emotionen und wird schneller von ihm abgespeichert.

Und nun? Probiere es doch gleich einmal aus! Starte zum Anfang mit einem kleinen Ziel, dessen Erreichen noch heute oder morgen dich unmittelbar von der Wirkungsweise dieser tollen Methode überzeugen wird – und wenn du Fragen hast, dann melde dich gern bei mir. Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir direkt.

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